"Social Media sind wie ein Dschungel"

Unser heutiger Interview-Partner zum Thema Social Media ist Mario Carla. Er arbeitet seit über zwanzig Jahren als IT-Trainer und -Berater und ist seit zwölf Jahren Microsoft-Certified-Trainer (MCT). Aufmerksam auf ihn wurden wir durch seinen Blog Tausend-Euro-Experiment, in dem er Tipps gibt, wie Unternehmen im Internet Geld verdienen können. Mario Carla hat im Gespräch mit Leonie Walter verraten, wie er das Social Web für sich entdeckte und für seine beruflichen Zwecke nutzt.

Hallo Mario, kannst Du unseren Bloglesern in zwei, drei Sätzen kurz Dein Projekt vorstellen?

Zurzeit betreibe ich drei (Blog-)Projekte:

Das erste und älteste ist www.tausend-euro-experiment.de. In diesem Blog berichte ich über meine Erfahrungen mit dem Thema „Geld verdienen im und mit dem Web“. Konkret geht es darum festzustellen, ob es möglich ist, nach sechs Monaten mit maximal zehn Stunden Arbeitsaufwand einen Umsatz von 1000 Euro im Monat zu generieren. Die ersten sechs Monate sind um, und ich werde Ende des Monats ein eBook mit meinen Erfahrungen und Empfehlungen veröffentlichen.

Das zweite Blog-Projekt, an dem ich mitwirke, ist mcitpcertified.de.  In diesem Blog geht es um Windows 7 und Windows Server 2008. Ich schreibe hier zu Themen, die meine Arbeit als Microsoft-Certified-Trainer betreffen, also wie kann ich mich auf Prüfungen vorbereiten, welche Neuerungen bieten Windows 7 und Server 2008. Dieses Projekt betreibe ich mit anderen zusammen. Zurzeit läuft es etwas auf Sparflamme, da ich mich mehr um mein neuestes Projekt kümmere.

Dies ist kmu-im-socialweb.de. Dieser Blog ist als Lernprojekt angelegt. Ich will hier herausfinden, welche Möglichkeiten ich als einzelner oder kleiner Unternehmer habe, um mit Social Media bekannter zu werden.

Du machst derzeit mit der „Reise durch den Social-Media-Dschungel“ einen Selbstversuch in Sachen Social Networks. Wie sind Deine Erfahrungen?

Ja, meine „Reise durch den Social-Media-Dschungel“ ist Teil des Lernprozesses. Was ich hier mache ist folgendes: Es gibt ein Buch von Dave Evans, „Social Media Marketing in an hour a day“. In diesem beschreibt der Autor, wie man einen Einstieg in die Welt des Social-Media-Marketing finden kann. Das Interessante an diesem Buch ist, das Evans eine Stunde Zeit pro Tag ansetzt und es täglich Aufgaben gibt, die der Leser lösen soll. Mit anderen Worten: Du kannst dich von Montag bis Freitag mit den Diensten und Werkzeugen beschäftigen, die Du brauchst, um im Social Web Fuß zu fassen.

Ich bin jetzt seit fast drei Monaten im Social-Media-Dschungel unterwegs und ein Dschungel ist es wirklich, denn es lauern hier genau wie im realen Dschungel schöne Dinge, aber auch Gefahren. Was ich auf jeden Fall wieder und wieder feststelle: Eine Stunde ist nicht gerade viel Zeit, um sich mit dem Thema zu befassen. Aber steter Tropfen höhlt den Stein und ich habe mir erlaubt, immer wieder mal Auszeiten zu nehmen und Zwischenstopps einzulegen.

Eine weitere wichtige Erkenntnis, die ich gewonnen habe, ist es, sich zu fokussieren. Bei mir ist es so, dass ich mich momentan auf Twitter, Blog und XING konzentriere, um hier  das Optimum zu erreichen.

Kannst Du die Social Networks auch für Deine Tätigkeit als Microsoft-Berater sinnvoll nutzen?

Ja, kann ich, z.B. gibt es bei XING Gruppen zur Microsoft-Zertifizierung. Ich halte hier auch Kontakt zu Menschen, die ich in meinen Projekten kennengelernt habe. Über Twitter erhalte ich viele neue Informationen. Das gleiche gilt für Blogs, hier habe ich etliche Feeds abonniert, um so das Material für meine Posts auf meinem Microsoft-Blog zu bekommen.

Noch mehr nutze ich Social Media aber momentan, um mir eine Reputation als Social-Media-Blogger und damit auch als Social-Media-Trainer aufzubauen. Hier konnte ich auch schon erste Erfolge verzeichnen. Ich habe bereits drei Vorträge zum Thema Social Media gehalten, ein vierter folgt, und es ist ein Web-2.0-Tag in Trier geplant, an dem ich ebenfalls einen Vortrag und eine praktische Session halten werde.

Welche Themen kommunizierst Du in den Social Networks?

Momentan nutze ich Twitter sehr intensiv, um die zu erreichen, die sich für die Themen „Geld verdienen als KMU“ und „als KMU im Social Web“ interessieren.  Dass das Netzwerken mit Social Media funktioniert, zeigt dieses Interview. Wir beide haben uns über das Marketing-Lab kennengelernt.

Wie hoch ist der zeitliche Aufwand für Dich, Deine Blogs und die Social-Media-Kanäle zu bedienen?

Ich würde mal sagen, zwischen 10 bis 15 Stunden pro Woche. Damit erziele ich schon sehr gute Ergebnisse.

Wie bewertest Du die Relation von Zeitaufwand und Nutzen?

Ich habe viele Dinge automatisiert, so zum Beispiel das Veröffentlichen von Posts oder das Abonnieren von Feeds. Auch andere Dinge wie das Schreiben der Artikel oder das Antworten auf Fragen oder Kommentare habe ich zeitoptimiert, indem ich mich zu festgelegten Zeiten darum kümmere. Ich bin ein großer Fan davon, Arbeiten zusammenzulegen und am Stück auszuführen. Über meine Erfahrungen mit Techniken wie der 80-20-Regel oder KISS schreibe ich in meinen Blogs. Somit kann ich sagen, dass ich zwar noch Verbesserungspotential habe, aber die Kosten-und-Nutzen-Relation in Bezug auf die Zeit gut ist.

Wie misst du die Erfolge?

Ich habe mir einige Zahlen festgelegt, die für mich interessant sind: Da sind zum einen die täglichen Leser auf meinem Blog, zum anderen aber auch die Abonnenten meiner Feeds. Außerdem überprüfe ich regelmäßig per Google Alerts die Häufigkeit, mit der mein Name erwähnt wird. Wichtig ist für mich auch die Interaktion mit meinen Bloglesern, sprich wie viel Kommentare es zu den Posts gibt.

Gibt es Benefits für Dich, die sich konkret durch Social Media ergeben?

Ja, es gibt einige Erfolge, die ich verzeichnen kann. Zum einen wächst mein Netzwerk stetig. Ich habe in den letzten Monaten einige interessante Menschen kennengelernt, mit dem einen oder der anderen habe ich auch schon kleinere Projekte gemacht. Wie schon erwähnt, habe ich bereits einige Vorträge zum Thema Social Media gehalten, weitere sind geplant. Zurzeit habe ich außerdem zwei Interessenten, die sich von mir Social Media erklären lassen möchten. Also noch mal ein klares Ja zum Benefit.

Was planst Du als nächstes?

Mein klares Ziel für 2010 ist es, als Social-Media-Blogger und -Trainer Fuß zu fassen. Der nächste Schritt, den ich im Mai vollziehen werde, ist ein exklusiver, 12-wöchiger Online-Kurs für Einzelunternehmer und Selbstständige, in dem die Teilnehmer lernen, was Social Media ist und wie Sie es dafür nutzen können, sich und ihre Produkte oder Dienstleistungen im Netz bekannt zu machen.

Lohnt es sich aus Deiner Sicht, Social-Media-Kanäle im B2B einzusetzen? Welche Tipps würdest Du Einsteigern geben?

Ja, es lohnt sich auf jeden Fall, Social Media im B2B-Bereich einzusetzen. Ich habe neulich  von einer Studie gelesen, die zu dem Schluss kam, dass wesentlich mehr Entscheider aus dem B2B-Umfeld ihre Entscheidungen mit Hilfe von Twitter, XING und Co vorbereiten,als gedacht. Ist ja auch irgendwie logisch: Du kannst netzwerken, Du kannst Dir Feedback einholen, Du findest neue Ideen. Also das ideale Umfeld.

Wenn ich mit meinem heutigen Wissen noch mal anfangen würde, würde ich so vorgehen:

1)      Ein Twitter-Konto
2)      Ein Konto bei XING
3)      Einen eigenen Blog betreiben
4)      Zuhören – Antworten – mitmachen
5)      Nach drei bis sechs Monaten dann weitere Social-Media-Dienste wie Facebook oder Youtube nutzen.
6)      Sich Hilfe suchen in Form von Ratgebern, (Online-)Training oder Coaching

Wichtig ist es, sich klar zu machen, dass Social Media Zeit braucht.

Lieber Mario, vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht und weiterhin viel Erfolg bei Deinen Social-Media-Projekten!

 

Frühere Beiträge unserer Social-Media-Interview-Reihe:

Meike Leopold von Cirquent: “Alle Aktivitäten im Social Web zahlen auf unsere Marke ein”
Susanne Martin von Schiller Buchhandlung: “Mein virtuelles Tun hat konkrete Auswirkungen in der realen Welt”
Martina Bloch von der Agentur für Unternehmenskontakte: ”Social Media lohnen sich monetär und emotional”

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  1. Stefan / intuitiv’s avatar

    Hallo,

    danke für das interessante Interview.
    Ich hätte noch einen Punkt in der Liste, den ich zwischen Punkt 2 und 3 einfügen würde:
    Den “Namen” sichern. Also nicht nur bei Twitter und Xing registrieren, sondern auch bereits auf anderen möglichen Plattformen. Denn wenn der Nutzername, das kann der eigene Name, ein Firmenname oder ein Brand sein, dann überall identisch auftritt, ist der Wiedererkennungseffekt wesentlich höher.
    Weiterhin würde ich zum Mitdiskutieren bei Blogs noch http://gravatar.com empfehlen, damit mein Bild (oder mein Brand) immer identisch im Web erscheint.

    Netzwerken im B2B-Umfeld kann ich nur empfehlen. Das lohnt sich!

    Gruß,

    Stefan

  2. socielmediafan’s avatar

    Ein toller Beitrag – danke dafür! Ich konnte einige neue Erkenntnisse daraus gewinnen. Wir leben wirklich in einer spannenden Zeit, die Social Media Welt entwickelt sich so rasant schnell – das ist Wahnsinn! Freue mich auf weitere spannende Beiträge.

  3. Stefan Ebersold’s avatar

    Vielen Dank für das klasse Interview. Ich habe es mit Wohlwollen und einigem Vergnügen gelesen und würde mich ähnliche Beiträge für die Zukunft wünschen.
    Viele Grüße und weiterhin gute Artikel wünscht Stefan Ebersold,
    http://www.stefan-ebersold.de

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