Swiss Life: "Mit Video-Podcast Botschaften und Emotionen transportieren"
29. März 2010 in Im Interview by Leonie Walter | No comments
Auch Versicherungen nutzen inzwischen Social-Media-Kanäle. Über ihre Erfahrungen berichtet heute Anke Seeger, zuständig für Online-Redaktion und Social Media im Marketing bei Swiss Life. Swiss Life ist ein Versicherungsunternehmen mit Schwerpunkt auf Altersvorsorge und Berufsunfähigkeit. Die Konzernmutter sitzt in der Schweiz, die deutsche Niederlassung ist in München. Der Vertrieb der Vorsorgeprodukte erfolgt über die Zusammenarbeit mit unabhängigen Versicherungsmaklern, Finanzdienstleistern und Banken, also hauptsächlich B2B.
Liebe Frau Seeger, wie nutzen Sie die sozialen Netzwerke für das Marketing?
Da unser Vertrieb hauptsächlich B2B läuft, konzentrieren wir auch unsere Social-Media-Aktivitäten hierauf.Als einer der ersten Versicherer haben wir im Februar 2007 begonnen, Video-Podcasts zu veröffentlichen. Bis dato sind es 36 Episoden. Mittlerweile ist ein Corporate Blog daraus geworden, unter http://www.swisslife-blog.de.

Anke Seeger
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man über Video-Podcasts nicht nur leichter und unterhaltsam Botschaften vermitteln kann, Stichwort Edutainment, sondern auch ganz gut Emotionen transportieren kann. Und dadurch eine engere Bindung der Geschäftspartner ans Unternehmen erzielt.
Welche Themen kommunizieren Sie?
Ein ideales Beispiel, um Ihnen das anschaulich zu erklären, ist die Einführung eines neuen Produktes. Sagen wir, es gibt bei Swiss Life eine neue fondsgebundene Rentenversicherung. Die entsprechende Presse-Info informiert, dass es dieses neue Produkt gibt, welche Vorteile es hat, wann Verkaufsstart ist etc. Die Verkaufsförderung erstellt hierzu einen bunten Verkaufsprospekt, aber beispielsweise auch eine Auflistung aller Fonds, die bei dem Produkt wählbar sind und ein Highlightblatt, sozusagen alle Produktfeatures auf einen Blick.
In dem Video-Podcast aber führe ich ein Interview mit dem verantwortlichen Produktmanager, frage ihn, warum diese neue fondsgebundene Rentenversicherung, warum ausgerechnet fondsgebunden, welche Vorteile ergeben sich dadurch für Kunden, aber auch für unsere Geschäftspartner, die dieses neue Produkt vermitteln et cetera. Dazu gibt es dann selbstverständlich diverse Links, zum Beispiel in unser Extranet, wo noch einmal alle Fakten rund um das neue Produkt nachzulesen und zum Download sind.
Wie hoch ist der zeitliche Aufwand für Sie, die Social-Media-Kanäle zu bedienen?
Der zeitliche Aufwand schwankt natürlich ein wenig. Im Prinzip kann man aber sagen, dass ich die Hälfte meiner Arbeitszeit, also eine halbe Vollzeitstelle, aufwende, um die Social-Media-Kanäle zu bedienen beziehungsweise zu beobachten, Video-Drehtermine vorzubereiten und so weiter.
Wie sehen Sie die Relation von Zeitaufwand und Nutzen?
Ich glaube nicht, dass man in diesem Fall Zeitaufwand und Nutzen in den Vordergrund stellen sollte, sondern sich vielmehr fragen, ob man es sich als Unternehmen heutzutage noch leisten kann, Social Media zu ignorieren. Durch das Internet vollzieht sich ein grundsätzlicher, gesellschaftlicher Wandel, der immer stärker auch das Nachfrage- und Kaufverhalten des Ottonormal- Kunden und natürlich der Vertriebspartner beeinflusst. Eine aktive Beteiligung beim Kaufprozess und bei der Meinungsbildung wird zur Regel; und gerade durch die Social-Media-Tools gefördert beziehungsweise verstärkt.
Ich denke, Unternehmen müssen sich in jedem Fall hierauf einstellen – je früher, desto besser.
Wie messen Sie Erfolge?
Die reinen Zugriffszahlen auf unseren Swiss-Life-Blog messen wir mit einem Analysetool. Außerdem haben wir seit Oktober 2009 ein Social-Media-Monitoring aufgesetzt, was echt spannend ist. Es sind in unserem Bereich zwar noch nicht allzu viele Treffer; dennoch hätte ich nicht vermutet, dass über Swiss Life, über eine Versicherung überhaupt geredet wird und aus welchen unterschiedlichen Ecken es kommt.
Gibt es Benefits für Sie, die sich konkret durch Social Media ergeben?
Leider funktioniert es nicht eins zu eins, dass ich sagen kann, wenn wir 3.000 Ansichten unseres Podcasts zum neuen Produkt haben, dass wir auch 3.000 Anträge oder am besten sogar 5.000 Neuanträge bekommen. Aber auf jeden Fall haben wir den Dialog zu unseren Geschäftspartnern intensiviert beziehungsweise überhaupt angeregt. Durch die Kommentarfunktion ergibt sich doch das eine und andere Feedback oder sogar Diskussion, was für mich und für Swiss Life als Unternehmen enorm wichtig ist.
Planen Sie noch etwas neues im Social Web?
Da der Switch von reinem Video-Podcast zu einem Corporate Blog noch relativ frisch ist, möchten wir diesen die kommenden Monate auf jeden Fall verstärkt ausbauen. Außerdem denken wir an einen customized YouTube-Channel, auf dem wir alle unsere Video-Podcasts einstellen. Und wir möchten die Treffer, die uns das Social-Media-Monitoring liefert, künftig stärker nutzen. Bisher dient es eher der Brand Protection und eine wirklich heiße Diskussion oder Angriff auf unsere Marke, unsere Produkte, unsere Dienstleistung hatten wir noch nicht. Zum Glück!
Doch wir sehen, wie gesagt, hier sehr schön, an welchen ganz unterschiedlichen Ecken über Swiss Life oder aber auch grundsätzlich über das Thema Versicherung, Altersvorsorge et cetera gesprochen wird. Wenn wir uns hier, natürlich ganz offiziell als Swiss Life, bei dem einen und anderen Diskussionsforum mit unserem Expertenwissen einbringen, wäre es bestimmt spannend und vielversprechend.
Lohnt es sich aus Ihrer Sicht, Social-Media-Kanäle im B2B einzusetzen? Welche Tipps würden Sie Einsteigern geben?
Auf jeden Fall. Die Tipps, die ich geben würde, hören sich, zugegeben, ziemlich abgegriffen an, weil Sie sie wirklich überall und immer wieder lesen. Trotzdem treffen sie zu – zumindest hat Swiss Life damit erfolgreich den Weg in die bunte Social-Media-Welt betreten.
Also: Erst zuhören, dann aktiv teilnehmen. Erst ein langfristiges Konzept überlegen, dann loslegen. Wie oft habe ich jetzt schon gesehen, dass gerade auch Versicherer zwei, drei oder fünf Podcasts produzieren und veröffentlichen – und dann kommt nichts mehr. Unser Erfolgsrezept, davon bin ich überzeugt, ist die Kontinuität. Die Frequenz, circa alle sechs Wochen eine neue Episode, klingt zwar nicht hoch, muss aber erst einmal bewältigt und – ganz wichtig – durchgehalten werden.
Das stimmt! Und es ist auch eine tolle Leistung, das Ihnen dies gelingt. Wir danken für das interessante Interview und wünschen weiterhin viele erfolgreiche Podcast-Episoden!
Frühere Beiträge unserer Social-Media-Interview-Reihe:
Meike Leopold von Cirquent: “Alle Aktivitäten im Social Web zahlen auf unsere Marke ein”
Susanne Martin von Schiller Buchhandlung: “Mein virtuelles Tun hat konkrete Auswirkungen in der realen Welt”
Martina Bloch von der Agentur für Unternehmenskontakte: ”Social Media lohnen sich monetär und emotional”
Mario Carla, Social-Media-Blogger und Trainer: “Social Media sind wie ein Dschungel”
Frauke Ehlers vom Netzwerk BücherFrauen e.V.: “Menschen auf gleicher Wellenlänge lernensich irgendwann kennen”
Kimmo Best von der SEB-Bank: “Der Dialog kommt nicht von allein zustande”
Tags: Blog, Monitoring, Podcast, Social Media, Video
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